Lesen und Schreiben kann doch jeder … oder ?

Wer nicht oder nur mit großer Mühe schreiben und lesen kann, ist in der modernen deutschen Bildungsgesellschaft oftmals im Alltag verloren. Ein großer Teil der Betroffenen, erwerbstätige ebenso wie auch erwerbslose, hat über viele Jahre hinweg erfolgreich Strategien entwickelt, die mangelnden Schreib- und Lesefähigkeiten vor dem privaten und beruflichen Umfeld zu verbergen, was dazu führte, dass die Problematik des Analphabetismus zunehmend aus dem Blickfeld öffentlicher Wahrnehmung rückte. Dieses Thema ist weiterhin in Deutschland ein Tabu und verhindert die kulturelle, berufliche und gesellschaftliche Teilhabe vieler Lerner/innen.

In Deutschland können 6,2 Millionen deutschsprachige Erwachsene laut der LEO-Studie (2018) nicht richtig lesen und schreiben, bzw. leben sie mit einer geringen Literalität. Eine Literalität ist im deutschen Sprachraum durch Rechtschreibreformen und dem Duden festgelegt, sodass Bildungseinrichtungen und die öffentliche Verwaltung an sie gebunden sind.

Was genau bedeutet im Alltag der Lerner/innen nicht richtig lesen und schreiben zu können, bzw. mit einer geringen Literalität zu leben? Demnach können diese Menschen einfache Sätze lesen und schreiben, aber bereits Arbeitsanweisungen, Beipackzettel oder Fahrpläne stellen für sie eine große Herausforderung dar. Allein in Berlin trifft dies auf schätzungsweise 320.000 Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren zu. Das können wir ändern …

Wir sind für Sie da!

Im Rahmen der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung 2016-2026 wurde eine Nationale Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung ins Leben gerufen, die in Berlin durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie umgesetzt wird.  Im Zusammenhang mit der Senatsstrategie „Grundbildung fördern-Teilhabe stärken“ wurde die ABU gGmbH mit der Gründung und dem Aufbau eines Alpha-Bündnisses in Marzahn-Hellersdorf beauftragt. Das Alpha-Bündnis wird fachlich von dem Grund-Bildungs-Zentrum unterstützt. Ziel dieses Netzwerks ist die öffentliche Problemsensibilisierung und Enttabuisierung von Analphabetismus durch den Anstoß einer öffentlichen Debatte und den Aufbau eines Forums zum Austausch von Informationen und Erfahrungen auf Bezirksebene. Außerdem sollen Lerner/innen durch dieses Netzwerk Ansprechpartner/innen gewinnen, die sie in Fragen rund um die Grundbildung und dem Umgang mit geringer Literalität informieren, vernetzen und unterstützen können.

Gemeinsam mit Vertretern von Ämtern, Sozialträgern, Bildungsanbietern, wissenschaftlichen Institutionen und Wirtschaftsunternehmen wollen wir die Wirksamkeit bestehender Projekte besprechen, reale Bedarfe ermitteln sowie Möglichkeiten der regelmäßigen Zusammenarbeit ausloten. Dafür brauchen wir Sie, denn …

Lernen kann jeder!

  • Sie möchten sich über Grundbildungsangebote im Bezirk informieren?
  • Sie möchten lesen und schreiben im eigenen Tempo lernen?
  • Sie kennen jemanden aus dem Freundes-, Familien- oder Bekanntenkreis, der Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat und möchten gerne helfen?
  • Sie arbeiten mit Menschen mit geringer Literalität zusammen und wissen nicht, wie Sie sie unterstützen können?
  • Sie möchten als Arbeitgeber Mitarbeiter/innen im Umgang mit gering literalisierten Menschen sensibilisieren?
  • Sie möchten sich als Lerner/in, als Bekannter oder als Arbeitgeber eines Lerners/einer Lernerin mit anderen Mitmenschen vernetzen?

Unser Ziel ist es, Lernern und Lernerinnen Wege aufzuzeigen, wie sie ihre Lese- und Schreibkompetenz verbessern und somit in vielen Lebensbereichen an Mut, Selbstvertrauen und Lebensqualität gewinnen können. Das Lesen und Schreiben eröffnet in vielen Fällen ganz neue Möglichkeiten. Dies können wir nur durch einen Erfahrungs- und Wissensaustausch erreichen – indem wir voneinander lernen!

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Dann kontaktieren Sie uns gerne – wir freuen uns auf Sie!